Ein Beispiel für Frühintervention bei Cannabis-Missbrauch

Die Veränderung im Bereich des Konsums von Cannabis-Produkten wirkt sich auch auf die Präventionslandschaft aus. So wurde in den letzten Jahren allgemein die Notwendigkeit einer verstärkten Ausrichtung der Vorbeugung auf gefährdete oder bereits konsumierende Jugendliche erkannt. Im Unterschied zur Primärprävention, die zeitlich vor der Gefährdung durch Abhängigkeit einsetzt, spricht man in diesem Fall von Sekundärprävention.

 

Cannabis stand ja bis vor wenigen Jahren in dem Ruf, zu Unrecht als illegale Droge behandelt zu werden. Die Wirkungen auf Körper und Psyche schienen zu geringfügig, um eine derartige Stigmatisierung zu rechtfertigen. Die Entstehung einer Abhängigkeit wurde von vielen sogar grundsätzlich bezweifelt.

 

Inzwischen ist diese Position nicht mehr aufrecht zu erhalten. Die Gründe dafür sind:

 

  • Steigerung des Wirkstoffgehalts um den Faktor 8 bei aktuellen Cannabis-Züchtungen
  • Wandel zu härteren Konsummustern mit gesteigerter Aufnahme des Wirkstoffes THC
  • Konsum in jüngeren Jahren
  • Erkenntnisse aus neueren wissenschaftlichen Untersuchungen

 

Diese Entwicklungen bewirkten auch eine Veränderung bei der Zusammensetzung der Klientel im Beratungsbereich. Insgesamt nahm die Zahl der jungen Männer stark zu, die wegen Cannabis-Problemen die Beratungsstelle aufsuchten.

 

Von Februar bis September 2005 wurden insgesamt drei FreD-Kurse durchgeführt. Insgesamt konnten wir 38 Gruppenkontakte zählen. Es waren ausschließlich junge Männer zwischen 15 und 20 Jahren. Die meisten Teilnehmer kamen auf Anraten der Jugendgerichtshilfe und im Vorfeld eines zu erwartenden Jugendgerichtsprozesses. Der kleinere Teil hatte bereits in der Gerichtsverhandlung die Auflage bekommen, am FreD-Kurs teilzunehmen.

 

Im Vorfeld des Kurses hatte bis auf eine Ausnahme bereits ein so genanntes Intake-Gespräch stattgefunden. Dies ist ein Einzelgespräch mit FreD-„Anwärtern“, in dem die Motivation, die Vorgeschichte des BtmG*)-Delikts sowie familiäre und berufliche Rahmenbedingungen erfragt werden.

 

Der Kurs selbst wurde dann jeweils an einem Freitag und einem Samstag durchgeführt und dauerte insgesamt acht Stunden. Die Kursteilnehmer konnten selbst über ihre positiven und negativen Erfahrungen mit Cannabis und anderen Drogen berichten. Von Seiten der zwei sozialpädagogischen Fachkräfte kamen neue Informationen zu Fragen der Wirkungsweise von Drogen, Abhängigkeitsentstehung und rechtlicher Folgen von Verstößen gegen das BtmG. So entwickelte sich ein fruchtbarer Austausch. Anfängliche Befürchtungen, die Jugendlichen könnten den Cannabis-Konsum verklären, bestätigten sich nicht.

 

Spätestens am zweiten Kurstag war allen klar, dass sich ein regelmäßiger Cannabiskonsum mit wichtigen Lebenszielen (Berufsausbildung, Führerschein, dauerhafte Partnerbeziehung u. a.) nicht vereinbaren lässt. Insbesondere der Besitz des Führerscheins, der für männliche Jugendliche im ländlichen Raum einen besonders hohen Stellenwert hat, erwies sich als Schlüsselfaktor für eine Einstellungsänderung in Bezug auf den Drogenkonsum.

 

Insgesamt lässt sich sagen, dass das FreD-Projekt ein kleines, aber sinnvolles Element im Kontext der Prävention illegaler Drogen darstellt.

 

Für diejenigen Kursteilnehmer, die schon über einen längeren Zeitraum illegale Drogen konsumiert und dadurch eine massive Abhängigkeit aufgebaut haben, die evtl. auch noch von anderen Drogen abhängig sind, ist eine nachfolgende stationäre Therapie meist unausweichlich. Angebote, die speziell auf eine Cannabis-Abhängigkeit zielen, gibt es noch kaum. Erste Ansätze stimmen aber hoffnungsvoll. So bietet beispielsweise die Fachklinik Wigbertshöhe in Bad Hersfeld eine Therapiegruppe für Spieler mit Cannabis-Abhängigkeit an. In der Fachklinik Furth im Wald werden Alkoholsüchtige in Kombination mit Cannabis-Problemen in einer eigenen therapeutischen Gruppe behandelt.

 

(Wolfgang Pfeifenberger)